‘About Monument Practices’

Guest Lecture Series

Much research has been done on monuments, on their original foundations, histories, designs, official attributions of meaning. In contrast, we focus on the subsequent everyday and festive practices at these places of remembrance, in all their recent and past forms and media designs. What happens(-ed) there in specific terms? What are they used for today – or were they used long after the original foundation situation had faded?


5. Mai 2026, 18:30 Uhr s.t.

Veranstaltungsort: Wien, Kolingasse 14-16, SR 15


Nina Janz (Amsterdam)

Krieg erneut sichtbar machen

Soldatengräber der Wehrmacht und Exhumierungsbemühungen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in der Sowjetunion/Russland

Auf Grundlage umfangreicher Recherchen in Russland und ihres jüngst erschienenen Buches Remnants of Wehrmacht Soldiers: Burial and Commemoration Practices of German Soldiers of the Second World War in Russia and Europe, 1941–2023 untersucht Nina Janz in ihrem Beitrag die Bemühungen, der gefallenen deutschen Soldaten auf sowjetischem und russischem Boden zu gedenken. Viele der hastig angelegten Gräber befinden sich heute an unmarkierten Orten, die inzwischen öffentliche Parks, Parkplätze oder städtische Räume geworden sind, und stellen damit besondere Herausforderungen für historische Forschung, Diplomatie und lokale Erinnerung dar.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), diese Gräber zu lokalisieren und zu identifizieren. Dabei stießen die Initiativen auf politische, finanzielle und logistische Hindernisse. Das Gedenken an die toten deutschen Soldaten in Russland erfordert eine sensible Balance zwischen historischem Erinnern und den lokalen, oft ambivalenten Erinnerungskulturen: Für manche Gemeinschaften stehen die Gräber für schmerzhafte Vergangenheit, für andere sind sie historische Zeugnisse, die respektvoll bewahrt werden sollten.

Praktische Einschränkungen wie begrenzte Mittel, die Weite des Territoriums und rechtliche Hürden erschweren Exhumation und Umbettung zusätzlich. Der Beitrag verdeutlicht, dass das Gedenken an die Gefallenen weit über logistische Maßnahmen hinausgeht und zeigt, wie Gesellschaften mit Kriegserbe und unterschiedlichen erinnerungskulturellen Traditionen umgehen – exemplarisch untersucht am Kontext von Soldatengräbern und der Exhumierung menschlicher Überreste.

Zur Person

Nina Janz, PhD; Promotion an der Universität Hamburg (2019) zur Wirkung von Tod und Gewalt und zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Russland. Derzeit Marie-Skłodowska-Curie-Actions Fellow am NIOD, Institute for War, Holocaust and Genocide Studies in Amsterdam im Projekt TransWarSoldWWII.

Zuvor Co-PI im WARLUX-Projekt am Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History mit Schwerpunkt auf der Zwangsrekrutierung von Luxemburgern in die Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Archivarin im Bundesarchiv (Militärarchiv Freiburg, 2008–2015) und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Historischen Institut Moskau (2016). Veröffentlichungen u. a.: Remnants of Wehrmacht Soldiers (2024). Aktuelle Projekte: Freiwillige der Waffen-SS aus den Benelux-Ländern; Between Sovereignty and Subordination: Small-State Military Engagements in WWII – Belgium and Luxembourg in the Allied War Effort; Kriegserfahrungen internationaler Freiwilliger im Russland-Ukraine-Krieg.

Website: https://orcid.org/0000-0001-6251-7740


12. Mai 2025, 18:30 Uhr s.t.

Veranstaltungsort: Wien, Universitätshauptgebäude, Hörsaal 41


Julia Katharina Nordmann (Berlin)

Sterben unerwünscht: Der verdrängte Tod

Der Soldatenberuf fordert Tote. Auch in Friedenszeiten. Bis Anfang der 2000er Jahre verloren über 3000 Bundeswehrsoldaten ihr Leben im Dienst. Bei Manövern zum Beispiel, bei Havarien oder ab den 1990er Jahren auch bei humanitären Missionen im Ausland. Die deutsche Armee aber ging seit ihrer Gründung im Jahr 1955 auf Abstand zu diesen Toten – ja, sie verdrängte sie. Und erst der verlustreiche Kampfeinsatz in Afghanistan zwang die Bundeswehr letztlich, sich ihren Toten zu stellen: Offiziell – und in gesellschaftlicher Sichtbarkeit. Mit würdigenden Gedenkfeiern. Und durch eindringliche Monumente. Doch warum unterlagen die toten Bundeswehrsoldaten einer geradezu „institutionellen Amnesie“? Und das ein halbes Jahrhundert lang? Aus dieser Frage rekonstruiert der Vortrag die Entstehungsgeschichte der noch jungen Gedenkkultur der Bundeswehr. Von den kameradschaftlichen Anfängen im Schatten von Wehrmacht und Kriegsniederlage bis hin zum „Ehrenmal der Bundeswehr“ in Berlin und dem „Wald der Erinnerung“ bei Potsdam.

Zur Person

Julia Katharina Nordmann, Dr. phil.; Promotion am Lehrstuhl für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt der Universität Potsdam. Mitarbeit beim Berliner Forschungsverbund SED-Staat. Öffentlichkeitsarbeit in der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Veröffentlichung von Beiträgen zur und Konzeption von Ausstellungen zur Trauer- und Gedenkkultur. Mitglied im Redaktionsausschuss der Verbandszeitschrift „Frieden“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.; Buch: Das vergessene Gedenken. Die Trauer- und Gedenkkultur der Bundeswehr (2022); aktuelles Projekt: Töten und Getötet werden. Soldaten und der Tod im Krieg.


5. Mai 2025, 18:30 Uhr s.t.

Veranstaltungsort: Wien, Universitätshauptgebäude, Hörsaal 41


Werner Telesko (Wien)

Wallfahrt in der Frühen Neuzeit. Religiöse Praxis und mediale Reflexion

Der Vortrag nimmt von einem derzeit laufenden Forschungsprojekt Salvation Economics and Media an der ÖAW seinen Ausgang und stellt anhand konkreter Fallbeispiele aus Niederösterreich die Praxis der Wallfahrt in die Spannung zwischen der Entwicklung repräsentativ-auratischer (Gnadenbild, Kirchenausstattungen etc.) und relational-dynamischer (Bewegung der PilgerInnen, Sakralisierung der Landschaft etc.) Elemente. Wallfahrt kann grundsätzlich als menschliche Ordnungsleistung, die einerseits (neue) Räume schafft, andererseits Momente der Präsenz und der Erinnerungskultur zusammenführt, angesehen werden. Dies führt auch abschließend zur Betrachtung der jüngsten Entwicklungen, an denen gezeigt wird, in welcher Weise auf der Basis von Prozessen der Ästhetisierung die Kultorte zu Fixpunkten einer neuartig aufgeladenen und vorgeblich einheitlichen Kulturlandschaft mutieren.

Zur Person

Werner Telesko, Univ.-Doz. Mag. Dr., ist Gruppenleiter am Forschungsbereich Kunstgeschichte des Instituts für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes (IHB) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Privatdozent für Kunstgeschichte an der Universität Wien. Seine Forschungen liegen in der Ikonographie der Barockzeit, der Kunst des 19. Jahrhunderts und der Mediengeschichte. Neuere Buchveröffentlichungen: In Bildern denken. Die Typologie in der bildenden Kunst der Vormoderne (2016); (zusammen mit Stefan Schmidl): Die ewige Schlacht. Stalingrad-Rezeption als Überwältigung und Melodram (2022).

Website: https://www.oeaw.ac.at/ihb/personen/telesko-werner


9. Dezember 2024, 18:30 Uhr s.t.

Veranstaltungsort: Wien, Universitätshauptgebäude, Hörsaal 41


Norbert Fischer (Hamburg)

Neue Schauplätze der Trauer.
Über den aktuellen Umgang mit Bestattungs- und Gedenkorten

Trauer und Totengedenken sind Spielarten der Erinnerungskultur und zeigen sich in wechselnden Erinnerungsorten und –objekten. Die Errichtung von Gedenkorten  erweist sich als kulturelle Praxis, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Schauplätze von Trauer, Erinnerung und Gedenken grundlegend gewandelt. Neben den Friedhof als klassischem Ort des Totengedenkens rückt zunehmend der öffentliche Raum mit den zumeist temporären, provisorischen Varianten des Public Mourning in den Fokus. Auch auf den Friedhöfen selbst ändern sich die Ausdrucksformen von Trauer und Totengedenken. Jenseits des klassischen Einzel- und Familiengrabes entstehen neue, allgemeine und kommunikative Orte der Trauer, was sich an der wachsenden Zahl von Gemeinschaftsanlagen, aber exemplarisch auch an der „Trauerhaltestelle“ auf dem Hamburg-Ohlsdorfer Friedhof zeigen lässt.

Zur Person

Norbert Fischer, Prof. Dr. phil. habil.; apl. Professor am Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Hamburg; Gastprofessuren bzw. Dozenturen in Wien, Kiel, Göttingen und Eichstätt. Dissertation zur Geschichte der Friedhöfe und Krematorien in Deutschland: Vom Gottesacker zum Krematorium (1996), publizierte u.a. Neue Schauplätze der Trauer (Mit-Hrsg., 2024, im Druck); Sternenkinder – Grab- und Gedenkstätten frühverstorbener Kinder (mit Elke Heinen, 2021); Tod – Gedächtnis – Landschaft (Mit-Hrsg., 2018); Neue Bestattungskultur: Tod, Trauer und Friedhof im Wandel (e-book 2013); Geschichte des Todes in Deutschland (2001).

Forschungsschwerpunkte: Geschichte und Gegenwart des Umgangs mit dem Tod; Trauer- und Gedächtniskultur; Landschaftsgeschichte und Landschaftstheorie; maritime Geschichte und Kultur; räumlicher Wandel und Verstädterungsprozesse im 20. Jahrhundert.

Websitehttp://www.n-fischer.de/pd.html


10. Juni 2024, 18:30 Uhr s.t.

Veranstaltungsort: Wien, Universitätshauptgebäude, Hörsaal 41


Manfred Hettling (Halle/Sa.)

Erlebnisraum Denkmal

Denkmäler schaffen einen „Erlebnisraum“, indem Menschen sich individuell oder in sozialen Gruppen vor dem Denkmal bestimmte Handlungen ausüben. Diese rituelle Dimension des historischen Gedenkens ist gerade in Deutschland seit 1945 verblasst. Wir können Denkmäler errichten, aber wir wissen wenig, was man mit ihnen anschließend machen kann.

Was konstituiert den „Erlebnisraum“ Denkmal, welche Bestandteile prägen ihn? Wie hat sich dieser im 20. Jahrhundert verändert? Welche Rückwirkungen hat das auf die Gestaltung des Denkmals und den Umgang mit ihm?

Zur Person

Manfred Hettling lehrte bis 2021 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Universitäsprofessor Neuere Geschichte. Besondere Arbeitsschwerpunkte liegen in der Geschichte des Bürgertums und des politischen Totenkults. Neuere Veröffentlichungen als Hg. u.a.: Politische Denkmäler in der Stadt (2016); Reinhart Koselleck, Geronnene Lava. Texte zu politischem Totenkult und Erinnerung (2023).

Websitehttps://www.geschichte.uni-halle.de/mitarbeiter/hettling/


11. Dezember 2023, 18:30 Uhr s.t.

Veranstaltungsort: Wien, Universitätshauptgebäude, Hörsaal 41


Dietrich Erben (München)

Standortfaktor Denkmal. Kommerzielle Aspekte der Denkmalkultur seit dem 19. Jahrhundert

In der Auseinandersetzung mit Denkmälern des 19. und 20. Jahrhunderts geht es üblicherweise um die Interessen, aus denen die einzelnen Monumente zustande kommen, und um die visuellen Mitteilungen, die sie machen. Denkmäler dienen jedoch nicht nur der Vermittlung von rationalem Wissen, sondern sind auch Generatoren von sinnlicher, über das Sehen hinausreichender Erfahrung und von affektivem Erleben. Der Dauerhaftigkeit des materiellen Bestandes steht die Flüchtigkeit des Erlebens gegenüber.

Kyffhäuser und Denkmal and Restaurant, Thüringen, Deutschland (CC BY-SA 2.0 von Snapshots of the Past via Flickr)

Dieses Erlebnisangebot, das Denkmäler machen, steht nicht nur im Dienst der Politik, sondern auch der kommerziellen Verwertbarkeit von politischer Ideologie. Beides schließt sich, so die Begründungen des Vortrags, zusammen im Begriff der Standortpolitik.

Zur Person

Dietrich Erben ist Inhaber des Lehrstuhls für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design an der Technischen Universität München. Arbeitsschwerpunkte liegen in der politischen Ikonographie, der Architekturtheorie und der Geschichte der europäischen Kunstbeziehungen. Neuere Buchveröffentlichungen: als Hg. Das Buch als Entwurf. Textgattungen in der Geschichte der Architekturtheorie (2019); Kunst des Barock (2022); Humanität und gebaute Umwelt. Essays und Studien zur Architekturgeschichte (2023).

Websitehttps://www.arc.ed.tum.de/ltg/mitarbeiter/


22 May 2023, 6:30 p.m.

Venue: Wien, Universitätshauptgebäude, Hörsaal 41


Moira Pérez (Buenos Aires)

Monuments, vandalism, and colonial temporality

The most recent upsurge in interventions on contested monuments is characterized by giving center stage to Western European colonialism and its deadly consequences around the world. Apart from traditional debates around heritage and historical change, these tendencies opened other discussions (which in several contexts were long overdue) about coloniality and the participation of Western countries in the economy of slave trade and extractivism. Centering coloniality as a key element in the past and the present -and in the bridges between them, such as monuments- allows us to reassess our notions of temporality and how it is expressed in historical narratives and in the public space. In this conference, Dr. Perez will analyze the temporalities involved in monuments, particularly those expressing some form of Western European colonialism, and will consider what the recent wave of iconoclasm can teach us about colonial temporality.

Biography

Moira Pérez, PhD, is Fellow at the Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Germany, and Assistant Researcher at the National Council for Scientific and Technical Research, Argentina. Her work focuses on the interplay between identity and violence (including epistemic violence), and brings together contributions of narrativist philosophies of history, queer theory, and decolonial and postcolonial studies, among others. In relation to the representation of the past, she has worked on narratives of progress in social movements, agency-building through historical representations of marginalized groups, and pinkwashing through official histories. Her current project addresses contested monuments, particularly those related to coloniality, and the debates surrounding how and who should deal with them.

Website: https://www.aacademica.org/moira.perez


15 May 2023, 6:30 p.m.

Venue: Wien, Universitätshauptgebäude, Hörsaal 41


Alex von Tunzelmann (London)

Fallen Idols: Statues, History and Memory

In 2020, hundreds of statues were pulled down around the world, from the USA, UK and Belgium to Bangladesh, Colombia and New Zealand. There had been dramatic waves of iconoclasm before – such as the French Revolution or during the fall of the Soviet Union – but never on a global scale. Alex von Tunzelmann considers iconoclasm both as a phenomenon within modern history, from the American Revolution to today, and as a response to that history and historiography. Unpicking the politics for and against putting up and pulling down statues, she shows how debates over the public representation of history are central to our identities and communities today.

Biography

Alex von Tunzelmann, PhD, is a historian, broadcaster and screenwriter, who appears regularly on the BBC, Sky News and Monocle 24. She has written for a huge range of international publications including The Guardian, The New York Times, and Prospect. Her most recent book, Fallen Idols: Twelve Statues that Made History (2021), was shortlisted for the Wolfson History Prize 2022. Her previous books have included the international bestseller Indian Summer: The Secret History of the End of an Empire (2007). She made her international feature film debut as a screenwriter with Churchill (2017), starring Brian Cox and Miranda Richardson. She is based in London.

Website: https://www.headline.co.uk/titles/alex-von-tunzelmann/fallen-idols/9781472281890/


Credentials of featured image: Wiehen Hills, on the trail to Porta Westfalica, 25 Nov 2017 (c) M. Demantowsky