Sarah Forstner
Mein Name ist Sarah Forstner und ich studiere im zweiten Semester des Masterstudiums Geschichte an der Universität Wien.
Aufgewachsen im Waldviertel besuchte ich acht Jahre lang das Stiftsgymnasium in Melk, einen Ort, der zugleich Bildungsinstitution und UNESCO-Weltkulturerbe ist. Während der Unterricht inmitten barocker Mauern für mich zum Alltag gehörte, erlebte ich täglich, wie Besucherinnen und Besucher aus aller Welt diesen Ort als historisches Monument wahrnahmen und bewunderten. Diese unterschiedlichen Perspektiven auf ein und denselben Raum machten mir schon früh bewusst, dass Geschichte nicht nur erforscht und dokumentiert wird, sondern auch vermittelt, inszeniert und individuell gedeutet werden kann.
Das Stift fungierte damit gleichzeitig als persönlicher Erfahrungsraum und als öffentlicher Erinnerungsort. Gerade dieser Kontrast zwischen alltäglicher Nutzung und touristisch geprägter Wahrnehmung weckte mein Interesse an der Frage, wie historische Orte präsentiert werden und welche Bedeutungen ihnen von verschiedenen Akteurinnen und Akteuren zugeschrieben werden.
Im Studium vertiefte sich mein Interesse insbesondere an der österreichischen Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Dabei wurde mir bewusst, wie stark historische Forschung lange Zeit von nationalstaatlichen Denkweisen geprägt war. Erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten neue methodische Ansätze zu einer differenzierteren Betrachtung dieser Zeiträume. Sozial- und kulturgeschichtliche Perspektiven rückten verstärkt Akteurinnen und Akteure, Praktiken und Werte in den Mittelpunkt. Dies zeigt, dass Geschichtsschreibung nie gleichbleibend ist, sondern sich im Kontext ihrer Zeit ständig weiterentwickelt.
Gerade hier sehe ich auch eine zentrale Aufgabe der Digital Public History: historische Narrative kritisch zu reflektieren und sie zugleich einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Digitale Werkzeuge eröffnen neue Möglichkeiten der Analyse, Visualisierung und Vernetzung historischer Daten und erlauben es, komplexe Zusammenhänge anschaulich darzustellen sowie Perspektiven zu erweitern. Im Rahmen des Volontariats möchte ich diese digitalen Methoden kennenlernen und praktisch anwenden, um neue Formen der Geschichtsvermittlung zu entwickeln und sie zugleich für meine zukünftige Forschung nutzbar zu machen.
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